I. Einführung
II. Definition
von oxidativem Stress
1.
Das Sauerstoff-Paradoxon
2. Die antioxidativen Schutzmechanismen
3. Faktoren, die zu oxidativem Stress beitragen
4. Unausgewogene Ernährung: ein wichtiger
Faktor für oxidativen Stress
5. Nutzen der Bestimmung von oxidativem Stress
III.
Wie kann man oxidativen Stress erfassen?
1.
Enzyme und kleine Moleküle mit antioxidativen Eigenschaften
A.
Die Superoxiddismutasen (SOD)
B. Die Glutathionperoxidasen (GPx)
C. Die Thioredoxine (TRx) und die Thioredoxinreduktase
(TRxR)
D. Die Hämoxygenase
E. Die Hitzeschockproteine
F. Die Karotinoide
G. Vitamin C
H. Vitamin E
I. Glutathion
J. Die Proteinthiole
K. Harnsäure
L. CoEnzym Q10
M. Die totale antioxidative Kapazität
2.
Spurenelemente
A.
Selen
B. Kupfer
C. Zink
3.
Biologische Marker für oxidativen Stress
A.
Die Lipidperoxidation
B. Oxidierte Proteine
C. 8-Hydroxy-2-Desoxyguanosin
4.
Der Eisenstatus
A.
Freies Eisen
B. Ferritin
C. Transferrin und die Transferrin-Sättigung
5.
Das Stickstoffmonoxid-Radikal
6.
Die paramagnetische Elektroresonanz (EPR)
7.
Andere Marker
A.
Homocystein
B. Glukose
C. Die Myeloperoxidase
D. Das Fettsäureprofil
IV.
Welches ist der beste Marker für oxidativen Stress?
V.
Sofortige Behandlung der Blutproben und Kühlkette: zwei essentielle
Anforderungen für qualitativ hochwertige Ergebnisse
VI.
Ausblick auf die Zukunft: Genomik und Proteomik
VII.
Schlussfolgerung
VIII. Literatur
_____________________________________________________________________________
So
bestimmen Sie Ihren oxidativen Stress
Pincemail J.
Chief
Scientific Officer - Probiox
j.pincemail@probiox.com
I.
Einführung
Ohne Sauerstoff können wir nicht überleben. Der lebensnotwendige
Sauerstoff bildet jedoch unter physiologischen Bedingungen in den
Mitochondrien fortlaufend reaktive Sauerstoffspezies (ROS für
„reactive oxygen species“), die für die Zellen sehr schädlich
sind. ROS, zu denen die freien Radikalen zählen, besitzen oxidative
Eigenschaften und können in der Umgebung, in der sie gebildet
werden, mit einer ganzen Reihe biologischer Substrate (Lipide, Proteine,
DNA, Glukose …) reagieren. Auf molekularer Ebene können ROS
auch als Second Messenger fungieren und unterschiedliche Faktoren
und Gene aktivieren, die bei der Entstehung verschiedener krankhafter
Zustände eine Rolle spielen.
Um
sich gegen die toxischen Wirkungen des Sauerstoffs zu schützen,
hat unser Körper Verteidigungssysteme entwickelt, die
die Bildung von ROS regulieren. Dazu gehören Antioxidantien
(z.B. die Vitamine A, C und E), Spurenelemente und Proteine, die
das Eisen daran hindern, die ROS-Bildung in Gang zu setzen. Proteolytische
Enzyme, deren Aufgabe es ist, oxidierte Substrate abzubauen,
vervollständigen das Arsenal an Abwehrmöglichkeiten.
ROS
werden auch durch Oxidantien aus der Umwelt gebildet. Unser modernes
Leben konfrontiert uns mit Umweltverschmutzung, Alkohol- und
Medikamentenkonsum, längerfristiger Sonneneinstrahlung
und Tabakrauchen
. Diese Faktoren führen in unserem Körper
ebenfalls zu einer übermäßigen ROS-Bildung, die
wiederum eine Schwächung der antioxidativen Schutzmechanismen
(Vitamine, Spurenelemente) sowie Schäden an den Zellen zur
Folge hat. Die Situation wird noch dadurch erschwert, dass unsere
Nahrung heute nicht mehr gesund und ausgewogen ist und uns immer
weniger natürliche Antioxidantien zuführt, die für
die Abwehr der schädlichen Wirkungen des Sauerstoffs erforderlich
sind. Dabei ist zu erwähnen, dass auch schlecht praktizierte
oder schlecht angeleitete intensive
körperliche Belastung zu oxidativem Stress
führen kann. In der Medizin kann oxidativer Stress im Rahmen
operativer Eingriffe am Herzen oder den Gefäßen, Organtransplantationen
oder bei Atemnot auftreten.
Oxidativer
Stress wird im Allgemeinen als Missverhältnis zwischen Prooxidantien
und den Schutzsystemen (Antioxidantien) definiert. Die Folge ist
eine häufig irreversible Schädigung der Zellen (Abbildung
1).
|
Abbildung
1 : Ungleichgewicht zwischen Antioxidantien und Prooxidantien |
|
Unterschiedliche
Lebensgewohnheiten, genetische Voraussetzungen und die jeweilige
Umwelt, in der wir leben, haben zur Folge, dass das antioxidative
Potential individuell verschieden ist. Für den Erhalt eines
optimalen antioxidativen Potentials ist aber auch eine gesunde Ernährung
sehr wichtig. So betragen zum Beispiel die durchschnittlichen Plasmakonzentrationen
an Vitamin C:
· bei einem gesunden Menschen, der gar kein Obst isst: 31,12
± 14,88 mmol/l
· bei einem gesunden Menschen, der jede Woche drei bis vier
Stück Obst isst: 36,45 ± 18,79 mmol/l,
· bei einem gesunden Menschen, der täglich drei bis
vier Stück Obst isst: 48,83 ± 23,68 mmol/l (8).
Die
Bestimmung von oxidativem Stress entwickelt sich derzeit zu einem
der wichtigsten Aspekte im Rahmen der Vorbeugung
von Krankheiten . Zahlreiche Studien (1) zeigen eine
enge Beziehung zwischen Störungen der antioxidativen Schutzmechanismen
und dem Auftreten von mehr als 200 unterschiedlichen Krankheitszuständen
von der Atherosklerose über AIDS, entzündliche Erkrankungen,
Diabetes mellitus und Alterungsvorgänge bis hin zum Krebs (Abbildung
2).
|
Abbildung
2 : Erkrankungen, bei denen oxidativer Stress eine Rolle
spielt |
|
II.
Definition von oxidativem Stress
1.
Das Sauerstoff- Paradoxon
Die in den Mitochondrien ansässige Atemkette hat in der Zelle
eine zentrale Funktion: Sie ist für die Umwandlung von Sauerstoff
in zwei Wassermoleküle verantwortlich. Diese direkte Reduktionsreaktion
setzt die Gegenwart von vier Elektronen voraus und wird durch ein
komplexes System aus Proteinen und Enzymen (Cytochromen) möglich,
die in der inneren Mitochondrienmembran lokalisiert sind. Die
in den Mitochondrien ablaufenden Reaktionen können zwei unterschiedliche,
paradoxe Ergebnisse haben. Auf der einen Seite stellen sie eine
wichtige Energiequelle für die Zelle dar, da bei der Reduktion
des Sauerstoffs 36 Moleküle Adenosintriphosphat (ATP)
entstehen, die ein hohes energetisches Potential aufweisen. Auf
der anderen Seite werden etwa 0,4 bis 4 % des Sauerstoffs aufgrund
eines Elektronenverlusts, der auf Störungen der mitochondrialen
Atemkette beruht, nicht korrekt in Wasser umgewandelt. Die Reduktion
des Sauerstoffs mit nur einem Elektron lässt reaktive Sauerstoffspezies
(ROS) entstehen, zu denen freie Radikale wie das Superoxid-Anion
und das Hydroxyl-Radikal (OH°.) gehören. Ein freies Radikal
ist chemisch betrachtet ein Atom oder Molekül, dessen Struktur
durch das Auftreten eines freien Elektrons gekennzeichnet ist. Dieses
freie Elektron verleiht dem Atom oder Molekül eine im Vergleich
zum Ausgangsatom/-molekül deutlich höhere Reaktivität.
Es können auch andere, nicht radikalische Sauerstoffabkömmlinge
wie Wasserstoffperoxid (H 2
O 2
) und Singulet-Sauerstoff (1O 2
) entstehen. Die Bildung von ROS erfordert
die Gegenwart eines Übergangsmetalls wie Eisen oder Kupfer.
Diese Übergangsmetalle sind in der Chemie der freien Radikale
unverzichtbare Katalysatoren (Abbildung 3).
|
Abbildung
3 : Darstellung der reaktiven Sauerstoffspezies |
|
Unser
Körper bildet somit fortlaufend ROS (Abbildung 3). Durch die
moderne Molekularbiologie wurde es möglich, nachzuweisen, dass
ROS eine wichtige physiologische Funktion
haben: In geringen Konzentrationen fungieren sie als leistungsfähige Second
Messenger und haben folgende Aufgaben:
-
Regulation des Phänomens der Apoptose, also des programmierten
Zelltodes von Zellen, die im
Begriff sind, sich in Krebszellen umzuwandeln.
(2)
- Aktivierung von Transkriptionsfaktoren (NFkB, p38-MAP-Kinase, …) die wiederum für die Aktivierung von Genen verantwortlich
sind, die bei der Immunreaktion eine Rolle spielen (3),
- Modulation der Expression von Strukturgenen, die für die
antioxidativen Enzyme kodieren (4).
Die
Kehrseite der Medaille ist, dass ROS, wenn sie in zu großen
Mengen produziert werden, schädliche Wirkungen haben. So können
sie auch bei gesunden Zellen eine Apoptose induzieren oder
unterschiedliche Gene aktivieren, die für die Expression pro-inflammatorischer
Zytokine oder von Adhäsionsproteinen kodieren. Darüber
hinaus sind ROS aufgrund ihrer Instabilität besonders reaktiv
und in der Lage, in den Zellen große Schäden anzurichten:
· Verursachen von Bruchstellen und Mutationen der Desoxyribonukleinsäure
(DNA),
· Inaktivierung von Proteinen und Enzymen,,
· Oxidation von Zuckern (Glukose),
· Induktion einer Lipidperoxidation in mehrfach ungesättigten
Fettsäuren der Lipoproteine oder der Zellmembran (Abbildung
4).
|
Abbildung
4 : Membranschädigung durch Angriff von ROS |
|
2. Die antioxidativen Schutzmechanismen
Das
Gleichgewicht zwischen den positiven und negativen Auswirkungen
der ROS ist sehr labil. Unser Körper reguliert die ROS-Bildung
strikt und hat antioxidative Schutzmechanismen entwickelt,
die uns vor den potentiell schädlichen Auswirkungen der ROS
bewahren können. Bei diesen Schutzmechanismen handelt es sich
im Einzelnen um (Abbildung 5) :
- Enzyme (Cu/Zn-Superoxiddismutase und Mn-Superoxiddismutase, Katalase,
Glutathionperoxidasen, Thioredoxin/Thioredoxinreduktase-Redoxkette,
Hämoxygenase, Hitzeschockproteine),
- Transportproteine für Eisen und Kupfer (Transferrin, Ferritin,
Caeruloplasmin),
- antioxidativ wirkende kleine Moleküle (Glutathion, Harnsäure,
Bilirubin, Glukose, Vitamin A, C, E, Ubichinon, Karotinoide, Flavonoide),
- Spurenelemente (Kupfer, Zink, Selen), die für die Aktivität
der antioxidativen Enzyme unverzichtbar sind.
Ein sekundäres Verteidigungssystem aus Enzymen, die die Aufgabe
haben, die Anreicherung von Proteinen oder oxidierter DNA in der
Zelle zu verhindern und deren toxische Fragmente abzubauen, vervollständigt
das Arsenal an Schutzmechanismen gegenüber ROS (Abbildung 5).
|
Abbildung
5: Gleichgewicht zwischen Antioxidantien und Prooxidantien
|
|
3.
Faktoren, die zu oxidativem Stress beitragen
Oxidativer
Stress wird als Missverhältnis zwischen Antioxidantien und
Prooxidantien definiert, wobei Letztere überwiegen (5). In
vivo können mehrere biochemische Systeme für eine vermehrte
ROS-Bildung verantwortlich sein. Ein Beispiel für eine Zunahme
des oxidativen Stresses sind Veränderungen im Bereich der Elektronentransportkette
in den Mitochondrien, im Rahmen des Alterungsprozesses
, sowie bei allen Zuständen, die mit einem
Ischämie–Reperfusions-Phänomen einhergehen (z.B.
Organtransplantationen). Die Leukozyten-Aktivierung ist ebenfalls
eine wichtige Quelle der ROS-Bildung. Fremdstoffe überführen
diese Zellen aus einem ruhenden in einen aktivierten Zustand. Dabei
steigt der Sauerstoffverbrauch um 400 % an. Unterschiedliche Enzym-Systeme
wandeln fast den gesamten Sauerstoff in ROS um, die anschließend
gesunde Gewebe angreifen können: Dieses Phänomen wird
als Entzündung bezeichnet. Weitere Systeme, die für die
Massenproduktion von ROS in Betracht kommen, sind die Aktivierung
der Xanthinoxidase, die Hämoglobin-Oxidation, die Freisetzung
von freiem Eisen, ein gesteigerter Prostaglandinstoffwechsel oder
auch die Aktivierung von Endothelzellen. Darüber hinaus weisen
zahlreiche epidemiologische Studien darauf hin, dass Homocystein
ein unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor für
Herzinfarkte, zerebrale ischämiche Insulte und die Koronarmortalität
ist. Einer der Wirkmechanismen von Homocystein, der das Auftreten
einer Atherosklerose begünstigen könnte, ist ein direkter
zytotoxischer Effekt auf die Endothelzellen, der zum Teil mit der
Bildung freier Radikale im Rahmen der Oxidation von reduziertem
Homocystein durch Eisen zusammenhängt (6, 7).
Unsere
Umwelt, aber auch unsere Lebensgewohnheiten bewirken eine Zunahme
des oxidativen Stresses in unserem Körper. Hier einige Beispiele:
- längerfristige UV-Lichtexposition (Sonnenbaden)
- Strahlenexposition
- Kontakt mit krebserzeugenden Substanzen (z.B. Asbest)
- Tabakrauchen
(der Rauch einer Zigarette enthält 10 19 ROS)
- Medikamenteneinnahme, empfängnisverhütende „Pille“
- zu
intensive oder schlecht angeleitete körperliche Belastung
- übermäßiger Alkoholkonsum
- geistiger Stress
- thermischer Stress
- Ozontherapie
- Umweltverschmutzung
- infektiöse Substanzen
- ….
4.
Unausgewogene Ernährung: ein wichtiger Faktor für oxidativen
Stress
Antioxidantien
werden uns überwiegend über Obst und Gemüse zugeführt.
Diese sind besonders reich an Vitaminen (A, C, E), Spurenelementen
und anderen Polyphenolen. Es ist heute anerkannt, dass die empfohlene
Tageszufuhr an diesen unterschiedlichen Elementen durch den täglichen
Verzehr von mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse
gedeckt werden kann. Diese Menge wird im realen Alltag jedoch bei
weitem nicht erreicht. Mehrere epidemiologische Studien zeigten,
dass mehr als 20 % der Bevölkerung der Industrienationen niemals
Obst zu sich nehmen. In einer Studie an 123 gesunden Probanden der
Region Lüttich konnten wir diese Zahl bestätigen und zeigen,
dass der Plasmaspiegel von Vitamin C bei Personen, die kein Obst
zu sich nehmen, im Vergleich zu solchen, die täglich 1 bis
4 Stück Obst essen, im Mittel um 26,3 % niedriger ist (8).
Das In-Mode-Kommen von Fast Food (regelmäßiger Verzehr
von Hamburgern, Pizza, etc.) trägt ebenfalls und insbesondere
bei jungen Menschen dazu bei, dass unsere Ernähung immer unausgewogener
und an Antioxidantien ärmer wird.
Die
folgende Abbildung zeigt, in welchem Ausmaß der Verzehr großer
Mengen an Obst und Gemüse die zellulären Spiegel an oxidierter
DNA senken kann (9). Die Bedeutung oxidierter DNA im Rahmen der
Krebsentstehung ist nachgewiesen (Abbildung 6).
|
Abbildung
6 : Einfluss der Nahrung auf die DNA-Oxidation |
|
5. Nutzen der Bestimmung von oxidativem Stress
Im
Jahr 1991 wies die MONICA-Studie der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) ein unterschiedlich hohes Koronarrisiko bei Menschen
aus Südeuropa (Obst- und Gemüse-reiche Ernährung)
und solchen aus Nordeuropa (weniger reiche Ernährung) nach.
Die Ergebnisse der Studie zeigen ganz eindeutig, dass das Koronarrisiko
umso höher ist, je niedriger die Vitamin-C-Spiegel sind. Niedrige
Vitamin-C-Spiegel sind bei der Bevölkerung Nordeuropas zu beobachten
(10). Diese Beobachtungen zum Vitamin C wurden anschließend
in einer großen epidemiologischen Umfrage an 1.600 Probanden
bestätigt (Abbildung 7) (11).
|
Abbildung
7 : Vitamin C und Herz-Kreislauf-Erkrankungen |
|
Die
vorliegenden epidemiologischen Studien zeigen in ihrer großen
Mehrzahl einen engen Zusammenhang zwischen Änderungen der antioxidativen
Schutzmechanismen, einem Anstieg der oxidativen Marker und dem Auftreten
von mehr als 200 unterschiedlichen Krankheitszuständen
von der Atherosklerose, über AIDS, entzündliche Erkrankungen,
Diabetes mellitus und den Alterungsprozess bis hin zum Krebs (Abbildung
2). Entsprechend könnte eine zusätzliche Zufuhr von Antioxidantien
zur Vorbeugung dieser Erkrankungen potentiell von Nutzen sein. Die
„Evidence-Based-Medicine“ hat in diesem Bereich zwar noch nicht
Fuß gefasst, die einheitlichen Ergebnisse der Studien zu Antioxidantien
zeigen jedoch deren potentiellen Nutzen im Rahmen der Krankheitsvorbeugung
. So zeigten zum Beispiel neuere Studien, dass Vitamin
E in der Lage ist, das Fortschreiten einer Atherosklerose der Karotiden
zu verzögern (12, 13).
Die Kenntnis des „oxidativen
Stress-Status“ ist somit für die Vorbeugung
von Erkrankungen von Nutzen (14). Dank der Entwicklung spezifischer,
empfindlicher, schneller und für den Routinegebrauch geeigneter
Analysemethoden ist PROBIOX SA in der Lage, eine große Zahl
von Tests anzubieten, die eine Beurteilung der antioxidativen Schutzmechanismen,
der Spurenelemente, des Eisenstoffwechsels (Eisen ist ein Katalysator
für ROS-bildende Reaktionen) aber auch der Marker der Oxidation
von Lipiden, Proteinen oder der DNA ermöglichen. Auf diese
Weise kann ein unphysiologischer oxidativer Stress erkannt und durch
Ernährungsempfehlungen oder die Einnahme von geeigneten Nahrungsergänzungen
korrigiert werden.
PROBIOX SA entwirft und entwickelt fortlaufend verbesserte Analysemethoden
für den oxidativen Stress. Diese Mission ist Teil einer
wissenschaftlichen Revolution, die in nicht allzu ferner Zukunft
zu einem deutlich individuelleren, auf den einzelnen Patienten zugeschnittenen
therapeutischen Vorgehen führen sollte. Insbesondere werden
die Analysemethoden Auskunft über die Reaktion des Genoms des
jeweiligen Patienten auf oxidativen Stress liefern und eine sehr
genaue Beurteilung des individuellen Reaktionsvermögens auf
diesen Stress erlauben.
III.
Wie kann man oxidativen Stress erfassen?
Oxidativer
Stress lässt sich nicht durch einen einzelnen Test bestimmen.
Um ein ge naues Bild zu erhalten, benötigt man eine ganze Batterie
geeigneter Analysemethoden (1). Die zu untersuchenden Parameter
lassen sich in sechs große Gruppen einteilen:
1.
Enzyme und kleine Moleküle mit antioxidativen Eigenschaften
A.
Die Superoxiddismutasen (SOD)
Dieses
Enzym ist für die Elimination des Superoxid-Anions zuständig,
des ersten toxischen Sauerstoffabkömmlings. Das Enzym bildet
damit die erste Verteidigungslinie gegenüber oxidativem
Stress. Die SOD benötigt für eine einwandfreie Funktion
Spurenelemente wie Kupfer und Zink (Cu/Zn-SOD des Zytosols) oder
Mangan (Mn-SOD der Mitochondrien). Es gibt auch eine extrazelluläre
SOD.
Niedrige
SOD-Spiegel können auf niedrigen Konzentrationen der Spurenelemente
beruhen. Die SOD-Konzentrationen korrelieren jedoch nicht absolut
mit denen der Spurenelemente. Bei oxidativem Stress zeigt die
SOD zwei Verhaltensweisen (Abbildung 8). Auf mittelstark ausgeprägten
oxidativen Stress (zum Beispiel während körperlicher Belastung)
reagiert der Organismus zunächst mit einer Überexpression
der SOD (15, 16). Besteht der Stress weiter fort und kommt es zu
massiver Bildung toxischer ROS wird die SOD zerstört und die
Konzentrationen sinken. Paradoxerweise kann eine übermäßig
erhöhte SOD-Konzentration gefährlich sein, da sie in diesem
Fall die Grundlage für eine übermäßige Produktion
von Wasserstoffperoxid bilden kann (paradoxe Wirkung der Antioxidantien).
Normaler
Blutspiegel: 785 – 1570 IE/g Hämoglobin
|
Abbildung
8 : Entwicklung der enzymatischen Antioxidantien in
Relation
zur Intensität des oxidativen Stresses |
|
B.
Die Glutathionperoxidasen (GPx)
Dieses
Enzym benötigt für seine einwandfreie Funktion Glutathion
und Selen. Hauptfunktion ist die Elimination von Lipidperoxiden,
die durch Einwirkung von oxidativem Stress auf mehrfach ungesättigte
Fettsäuren entstanden sind.
Genau
wie die SOD zeigt auch die Selen-abhängige Glutathionperoxidase
in Gegenwart von oxidativem Stress zwei unterschiedliche Verhaltensweisen:
Auf eine anfängliche Überexpression des Enzyms folgt bei
permanent andauerndem oxidativem Stress die Zerstörung. Die
Aktivität der GPx kann auch bei unzureichender Selenzufuhr
über die Nahrung vermindert sein.
Das
Verhältnis zwischen Selen-Plasmaspiegel und erythrozytärer
GPx ist erst ab einem Selenspiegel unterhalb von 60 µg/l signifikant
(Abbildung 9). Oberhalb dieses Wertes liegt ein Plateau vor, was
darauf hinweist, dass der Bedarf des Enzyms gedeckt ist (17) .
|
Abbildung
9: Verhältnis zwischen der Aktivität der GPx
und
den Selenplasmaspiegeln |
|
Normale
Konzentration im Blut: 30 – 55 IE/g Hämoglobin
C.
Die Thioredoxine (TRx) und die Thioredoxinreduktase (TRxR)
Thioredoxine
sind wie alle Proteine mit einer Thiolgruppe (-SH) Enzyme mit intrinsischer
antioxidativer Aktivität. Sie spielen auch bei der Regulation
des Immunsystems eine bedeutende Rolle (18, 19). Thioredoxin wird
nach seiner Oxidation durch die Thioredoxinreduktase (TRxR), ein
Enzym mit Selencystein-Gruppe am aktiven Zentrum, reduziert. Die
TRxR ist auch am Abbau von Lipidperoxiden oder von Wasserstoffperoxid
sowie an der Rückumwandlung des Ascorbyl-Radikals in Ascorbinsäure
beteiligt.
D.
Die Hämoxygenase (HO)
Das Hämoxygenase-(HO)-System besteht aus drei Isoenzymen: der
induzierbaren HO-1, der konstitutiven HO-2 und der HO-3, die vor
kurzem geklont wurde. In biologischen Systemen erlaubt die HO die
Umwandlung von Häm in Kohlenmonoxid, Biliverdin und Eisen.
Der Schutzmechanismus der HO gegenüber oxidativem Stress
ist indirekt und davon abhängig, dass sich das gebildete Biliverdin
in das stark antioxidativ wirksame Bilirubin umwandelt. Darüber
hinaus stimuliert das durch die HO gebildete Eisen die Bildung von
Ferritin, welches ebenfalls an der antioxidativen Reaktion beteiligt
ist (langfristige Wirkung). Dennoch kann die HO kurzfristig schädliche
Auswirkungen haben, da eben dieses Eisen über seine katalytische
Wirkung auf die ROS-Bildung auch prooxidativ wirkt (20).
E.
Die Hitzeschockproteine
Diese
Chaperon-Proteine (Hitzeschockproteine) wie die HSP70-Familie spielen
eine wichtige Rolle bei der Translokation, Stabilisation und beim
Zusammenbau von Proteinen. Sie beteiligen sich außerdem an
der Reparatur von durch oxidativen Stress ausgelösten Schäden
an Proteinen. Die Hitzeschockproteine erlauben es den Zellen,
sich in einem feindlichen Umfeld zu behaupten und bis zum Eintreten
günstigerer Bedingungen lebensfähig zu bleiben. Die vermehrte
Synthese dieser Proteine muss demnach als Anpassungsreaktion gegenüber
oxidativem Stress gesehen werden. Dieser oxidative Stress kann
unterschiedliche Ursachen haben: Thermoregulation (Hypothermie und
Hyperthermie), Azidose, Energiemangel, Ischämie-Reperfusions-Phänomen,
Virusinfekt, körperliche Belastung (21).
F. Die Karotinoide
Bestimmte
Karotinoide wie das Beta-Karotin werden zu Vitamin A abgebaut, das
eine wichtige Rolle für das Sehen spielt. Die meisten Karotinoide
und das Vitamin A reagieren mit Singulett-Sauerstoff und können
auf diese Weise die Oxidation mehrerer biologischer Substrate, darunter
die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, verhindern.
Ein
größerer Mangel an Vitamin A oder Retinol ist selten
und tritt erst ab Werten unterhalb von 10 mg/100 ml
auf. Niedrige Werte (< 28,6 mg/100 ml beim Kind und < 40,1
mg/100 ml beim Erwachsenen) entsprechen einem mittleren Risiko für
einen Vitamin-A-Mangel. In der bekannten MONICA-Studie
der WHO , die in 8 europäischen Ländern
durchgeführt wurde, gingen Vitamin-A-Konzentrationen oberhalb
von 63 - 80,2 mg/100 ml mit einem niedrigeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
einher (22).
Unter
den aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften interessanten Karotinoiden
ist auch das Lycopen zu erwähnen, das in der Schale von Tomaten
zu finden ist (23), sowie das Lutein, das ß-Cryptoxanthin,
das Zeaxanthin, etc.
Normwerte
der Vitamin-A-Plasmaspiegel: 1200 – 3700 IE/L oder 36,03 – 111 µg/dl
Normwerte der Beta-Karotin-Plasmaspiegel: 10 - 85 µg/dl
Normwerte der Lycopen-Plasmaspiegel: 10 - 33 µg/dl
G. Vitamin C
Vitamin
C (Ascorbinsäure) wird nicht vom Körper synthetisiert.
Seine Plasmakonzentration hängt stark von der Ernährung
und von Änderungen des Blutflusses in der Leber ab (z.B. nach
körperlicher Belastung). Vitamin C ist ein ausgezeichneter
ROS-Fänger und kann unterschiedliche biologische Substrate
(Proteine, Fettsäuren, DNA) vor einer Oxidation schützen.
In physiologischen Konzentrationen ist Vitamin C in der Lage,
die durch verschiedene ROS-Bildungssysteme (aktivierte neutrophile
Granulozyten, aktivierte Endothelzellen, Myeloperoxidase) verursachten
LDL-Oxidation zu verhindern. Bei seiner Oxidation zu Dehydroascorbinsäure
nimmt Vitamin C vorübergehend eine intermediäre Radikalform
an (Ascorbyl-Radikal), die in der Regenerierungs- Kaskade von Vitamin
E aus oxidiertem Vitamin E eine wichtige Rolle spielt (Abbildung
10).
|
Abbildung
10: Bei der Wechselwirkung zwischen Lipid-Radikalen
und Vitamin E wird Vitamin E in das
Tocopheryl-Radikal umgewandelt.
Vitamin C ermöglicht die Regenerierung
des gebildeten Tocopheryl-Radikals (oxidiertes Vitamin
E)
in aktives Vitamin E |
|
Bei
oxidativem Stress wird Vitamin C verbraucht. Mehrere Studien zeigten
darüber hinaus, dass Vitamin-C-Werte unterhalb von 4 mg/ml
mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen (10) (siehe Abbildung 8).
Trotz
seiner Instabilität kann Vitamin C bei sofortiger und angemessener
Behandlung der Blutprobe routinemäßig bestimmt werden.
Normwerte
der Plasmakonzentrationen: 6,21– 15,18 µg/ml (Männer);
8,6– 18,8 µg/ml (Frauen)
H.
Vitamin E
Vitamin
E ist der Überbegriff für die Familie der Tocopherole
(Alpha, Beta, Gamma, Delta). Aufgrund seines hydrophoben Charakters
kann sich Vitamin E in die Fettsäuren der Zellmembran
und der Lipoproteine einfügen, wo es eine schützende Funktion
übernimmt und das Fortschreiten der durch oxidativen Stress
ausgelösten Lipidperoxidation verhindert (Abbildung 11). Unter
den Tocopherolen besitzen das Alpha- und das Gamma-Tocopherol (24)
die stärksten antioxidativen Eigenschaften.
|
Abbildung
11: Einfügung von Vitamin E
in die Lipidmembran. |
|
Vitamin
E wird bei oxidativem Stress verbraucht. Vitamin-E-Konzentrationen
unterhalb von 7 – 8 mg/ml entsprechen einem mittelgradigen Risiko
für einen Mangel an diesem Vitamin in der Nahrung. Die
europäische MONICA-Studie
der WHO (10) zeigte, dass die Blutspiegel an Vitamin
E (nach Normalisierung in Bezug auf die Cholesterin-Spiegel) bei
gesunden Männern, (40-49 Jahre), die in Regionen Europas mit
niedriger Koronarmortalität leben (Schweiz, Süditalien)
signifikant höher sind als bei Bewohnern von Regionen
mit mittelhoher (Nordirland) oder hoher Mortalität (Südwest-Finland,
Schottland).
Vitamin
E wird durch Lipide transportiert. Aus diesem Grund muss seine Konzentration
stets für die Cholesterin-Spiegel (Verhältnis Vitamin
E/Cholesterin) oder die Gesamtlipide normalisiert werden.
Normwerte
der Vitamin-E-Plasmaspiegel: 8 – 15 µg/ml
Normwerte des Quotienten Vit.E/Cholesterin im Plasma: 4,40 – 7,00
µg/g
I.
Glutathion
Glutathion
ist ein Tripeptid, das im Kampf gegen den oxidativen Stress an mehreren
Stellen in Aktion tritt. Glutathion (GSH) kann direkt mit reaktiven
Sauerstoffspezies reagieren, dient aber im Wesentlichen als Substrat
für die Glutathionperoxidase, die für die Elimination
von Lipidperoxiden sorgt. GSH spielt darüber hinaus eine
zentrale Rolle bei der Expression
von Genen , die für pro- und antiinflammatorische
Proteine kodieren (Abbildung 2). Zu niedrige GSH-Konzentrationen
haben eine Verschlechterung der Immunabwehr zur Folge.
|
Abbildung
12: GSH spielt eine zentrale Rolle bei der
Regulation der Expression pro- und antiinflammatorischer
Genen
|
|
Bei
oxidativem Stress wird GSH in der Regel verbraucht. Die Bestimmung
des oxidierten Glutathions (GSSG) und die Berechnung des Verhältnisses
GSH/GSSG liefern ein genaueres Bild vom Ausmaß des oxidativen
Stresses. Jones et al. (25) zeigten vor kurzem,
dass es im Zuge des Alterungsprozesses (> 50 Jahre) zu einer
progressiven Verringerung dieses Verhältnisses kommt. Der Quotient
ist auch besonders nach intensiver körperlicher Belastung erniedrigt
(Abbildung 13), bei der es zu einem Anstieg des oxidierten Glutathions
kommt. Wie bereits beschrieben spiegelt diese Situation das Vorliegen
von oxidativem Stress wider (26).
|
Abbildung
13: Entwicklung des Verhältnisses GSH/GSSG nach
intensiver körperlicher Belastung (persönliche
Daten) |
|
Normwerte
der GSH-Konzentrationen im Blut: 753 – 958 µM
Normwerte der GSSG-Konzentrationen im Blut:
1,17 – 5,32 µM
Normwerte für das Verhältnis
GSH/GSSG im Blut: 156 - 705
J.
Die Proteinthiole
Die
meisten Proteine weisen Thiolgruppen auf (-SH), die sehr leicht
mit reaktiven Sauerstoffspezies reagieren. Angesichts seiner
hohen Plasmakonzentrationen kann Albumin, das ebenfalls Thiolgruppen
aufweist, als eines der wichtigsten Antioxidantien im Plasma angesehen
werden. Dieser Test ergänzt die GSH-Bestimmung.
Normwerte
der Plasmakonzentrationen: 216 – 556 µM
K.
Harnsäure
Harnsäure
ist das Haupt-Endprodukt des Purinstoffwechsels bei Primaten. Die
Substanz weist antioxidative Eigenschaften auf und kann mit reaktiven
Sauerstoffspezies reagieren, und zwar insbesondere mit dem Hydroxyl-Radikal.
Harnstoff scheint in Bezug auf seine Reaktivität mit ROS das
wirksamste Antioxidanz des Plasmas zu sein. Dennoch können
seine Oxidationsprodukte wie das Allantoin leicht selbst oxidieren
und dabei toxische Sauerstoffspezies bilden.
Die
Harnsäure-Konzentrationen steigen bei oxidativem Stress und
insbesondere beim Ischämie-Reperfusions-Phänomen an.
Normwerte
der Plasmakonzentrationen: Männer: 34 -84 mg/l; Frauen: 22
- 60 mg/l
L.
CoEnzym Q 10
Ubichinon
oder CoQ 10 ist für seine wichtige Funktion bei der Energieproduktion in
den Mitochondrien bekannt. Insbesondere in seiner reduzierten
Form, Ubichinol–10 oder CoQ 10
H 2
, weist CoQ10 auch antioxidative Eigenschaften
auf. Diese sind von daher interessant, als die Substanz wie auch
das Vitamin E in der Lage ist, die Lipidperoxidation zu hemmen (27,
28). Genaue Aussagen zur Bedeutung von CoQ10 bei der Verteidigung
gegenüber ROS lassen sich durch Bestimmung des Quotienten CoQ 10 H 2 /CoQ 10 machen (29). Darüber hinaus kann die Bestimmung von CoQ10 bei
der Identifikation von Patienten mit erhöhtem Koronarrisiko
von Nutzen sein (Abbildung 14).
|
Kontrollen
|
Patienten
mit
kardialer Ischämie |
CoQ
10
(µM) |
0,86
+/- 0,28 |
0,70
+/- 0,19 |
LDL-Chol.
(mM) |
3,21
+/- 0,84 |
3,81
+/- 0,92 |
Gesamt-Chol./HDL-Chol.
|
3,81
+/- 1,16 |
4,59 +/- 1,21
|
LDL-Chol./CoQ
10
x 10³ |
3,73
+/- 1,12 |
5,76
+/- 1,72 |
Abbildung
14: Quotient LDL/CoQ 10
bei Patienten
mit ischämischer Herz-Kreislauf-Erkrankung
Hanaki et al. Clin Invest 71 :S112-115, 1993 |
|
Ghirlanda
et al. (30) zeigten, dass es unter der Einnahme von Statinen, die
für ihre Cholesterin-senkenden Eigenschaften bekannt sind,
zu einem deutlichen Abfall der Spiegel an zirkulierendem CoQ 10 (+/- 40%) kommt. Statine hemmen das Enzym 3-Hydroxy-3-methylglutaryl-Coenzym-A-(HMG-CoA)-Reduktase,
das auf die Bildung von Mevalonat, einem für die Synthese von
Cholesterin und CoQ 10
wichtigen Substrat, einwirkt.
Normale
Plasmakonzentrationen: 0,40 – 1,2 µg/ml
M.
Die totale antioxidative Kapazität
Mit
Hilfe dieses Tests wird bestimmt, in welchem Ausmaß Vollblut
oder Plasma in der Lage sind, die ROS-Bildung in einem In-vitro-System
zu hemmen. Es handelt sich also um ein Screening-Verfahren, das
die Summe der Einzelaktivitäten aller in diesen biologischen
Milieus vorliegenden Antioxidantien abbildet (31). Es gibt mehrere
Tests (LPIC, TEAC, FRAP, TRAP, ORAC, DCFH-DA* etc.), die sich durch
das ROS-bildende System, die zu oxidierende biologische Zielsubstanz
und das Nachweis-System unterscheiden. Der Literatur zufolge ist
der TEA-Test der am wenigsten zuverlässige. Seit kurzem gibt
es sehr schnelle Methoden (Bestimmung in einigen Minuten), die sich
der Chemolumineszenz bedienen und eine Unterscheidung der auf hydrophilen
und lipophilen Antioxidantien beruhenden totalen antioxidativen
Kapazität des Plasmas ermöglichen. Bei der Interpretation
der Testergebnisse muss man allerdings sehr vorsichtig sein, da
sie häufig die Spiegel der zirkulierenden Harnsäure (oder
von Albumin) widerspiegeln, also des Antioxidantiums, das am bereitwilligsten
mit ROS reagiert. Jede Methode hat ihre Grenzen und ja nach Wahl
der Methode kann es zu einer Über- oder Unterschätzung
der totalen antioxidativen Kapazität oder auch zu einem
Ergebnis, das überhaupt nicht mit dem oxidativen Stress korreliert,
kommen.
·*
LPIC : Lipid peroxidation inhibition capacity
· TEAC : Trolox equivalent antioxidant capacity
· FRAP : Ferric reducing antioxidant power
· TRAP : Total radical-trapping antioxidant potential
· ORAC : Oxygen radical absorbance capacity
· DCFH-DA : Dichlorofluorescein – diacetate assay
2. Spurenelemente
A.
Selen
Dieses
Spurenelement ist selbst kein Antioxidanz, wirkt aber als Co-Faktor
der Glutathionperoxidase an der Abwehr von ROS mit.
Mehrere
große Studien zeigten, dass Selen
-Serumkonzentrationen unterhalb von 45 – 50 µg/l,
mit Koronarerkrankungen assoziiert sind (32, 33, 34).
Normwerte
der Plasmakonzentrationen: 94 – 130 µg/l
(Anmerkung: Die Selenkonzentration im Serum beträgt das 1,18-Fache
seiner Plasmakonzentration)
B.
Kupfer
Dieses
Spurenelement ist einer der essentiellen Co-Faktoren
der SOD. Ebenso wie Eisen spielt es aber als sogenanntes Übergangsmetall
auch eine wichtige Rolle in Bezug auf das Auslösen von Reaktionen,
die zur Bildung reaktiver Sauerstoffspezies führen. Überhöhte
Kupfer-Spiegel können demnach auf das Vorliegen von oxidativem
Stress hinweisen. Mehrere Studien wiesen einen Anstieg der Kupfer-Serumspiegel
im Verlauf des Alterungsprozesses nach (35).
Normwerte
der Plasmakonzentrationen: 0,70 bis 1,40 mg/l
C.
Zink
Auch
dieses Spurenelement gehört zu den essentiellen Co-Faktoren
der SOD. Die Einnahme von Zink hat langfristig die Induktion antioxidativer
Proteine wie der Metallothioneine zur Folge. Zink schützt darüber
hinaus die Thiolgruppen der Proteine. Es kann durch Eisen oder Kupfer
induzierte Reaktionen, die zur Bildung von Sauerstoffspezies
führen, teilweise hemmen. In diesem Zusammenhang kann die Bestimmung
des Verhältnisses der Kupfer- und Zink-Blutspiegel interessante
Hinweise auf das Ausmaß an oxidativem Stress bei einer Person
liefern.
Zinkmangel
führt in der Regel zu einer höheren Empfindlichkeit gegenüber
oxidativem Stress. Eine neuere Studie zeigte, dass ältere Menschen
mit degenerativen Erkrankungen ein höheres Verhältnis
aus Kupfer/Zink aufweisen, als gesunde ältere Menschen (36).
Normwerte
der Zinkplasmakonzentrationen: 0,70 – 1,20 mg/l
Normwerte des Verhältnisses Kupfer/Zink im Plasma: 1,14 – 1,29
3. Biologische Marker für oxidativen
Stress
ROS
reagieren mit einer ganzen Reihe biologischer Substrate wie Proteinen,
Lipiden und der Desoxyribonukleinsäure (DNA). Oxidierte Derivate
dieser unterschiedlichen Substrate sind somit Marker für das
Vorliegen von oxidativem Stress.
A.
Die Lipidperoxidation
Hauptangriffsziel
der ROS sind die mehrfach ungesättigten Fettsäuren der
Zellmembranen. Auf diese Weise entstehen Lipidperoxide (LPO), die
im Plasma oder Vollblut mit unterschiedlicher Sensibilität
und Spezifität bestimmt werden können (37). Allerdings
lösen sich LPO in Unterprodukte auf, wie Malonaldehyd
(MDA), 4-Hydroxynonenal, Ethan oder Pentan. Über viele Jahre
wurde die MDA-Bestimmung mittels Thiobarbitursäure (TBARS-Methode)
zur Beurteilung der Lipidperoxidation in vivo eingesetzt. Es ist
allerdings wissenschaftlich anerkannt, dass dieser Test nicht spezifisch
ist und zahlreichen Artefakten unterliegt. Heute ist es möglich,
die MDA über genauere HPLC-Techniken zu bestimmen. Dennoch
sollte man daran denken, dass die MDA nur einen geringen Prozentsatz
(1 %) des Lipidperoxid-Abbaus widerspiegelt, und damit bei weitem
kein zuverlässiger Marker für das Vorliegen von oxidativem
Stress ist.
ROS
können auch direkt mit den Fettsäuren reagieren. Dabei
wird das 8-Epi-Prostaglandin F2 a
gebildet, das zur Familie der Isoprostane
gehört. Die Konzentration dieser Substanzen ist zum Beispiel
im Plasma und Urin chronischer Raucher (38) deutlich höher
als bei Nicht-Rauchern (Abbildung 15).
|
Abbildung
15: Isoprostane als Marker
der Lipidperoxidation |
|
Mehrfach
ungesättigte Fettsäuren sind auch essentielle Bestandteile
der LDL („Low Density Lipoproteine“). Die LDL-Oxidation spielt bei
der Entstehung der Atherosklerose eine große Rolle. Neuere
Studien zeigten, dass die Konzentrationen an oxidierten LDL bei
Patienten nach Myokardinfarkt gegenüber einer Kontrollpopulation
deutlich erhöht waren (39). Im Allgemeinen weisen Patienten
mit hohem kardiovaskulären Risiko (Hypertension, Hypercholesterinämie,
Adipositas, Dialysepflicht) von der Norm abweichende Konzentrationen
an oxidierten LDL auf (Abbildung 16). Die auf dem Nachweis konjugierter
Diene basierende spektrophotometrische Bestimmung oxidierter LDL
ist weniger sensibel und weniger spezifisch als neuere immunologische
Methoden.
Normwerte
der Plasmakonzentrationen an oxidiertem LDL: 26 – 117 E/L
|
Abbildung
16: Oxidierte LDL als kardiovaskulärer Risikofaktor
bei Dialyse-Patienten |
|
Die
LDL-Oxidation führt zur Bildung von Antikörpern gegen
oxidiertes LDL (Ab-ox-LDL). Mehrere Studien zeigten einen engen
Zusammenhang zwischen einem Anstieg der Antikörper-Spiegel
und der Progredienz einer Atherosklerose der Karotiden (40, 41,
42). Besonders hohe Antikörpertiter werden regelmäßig
bei Hochleistungssportlern beobachtet (43), die ein ausgezeichnetes In-vivo -Modell für oxidativen Stress darstellen (Abbildung
17).
|
Abbildung
17: Spiegel der Antikörper gegen oxidiertes LDL
bei Hochleistungssportlern
(Pincemail et al. Free
Rad Biol Med 28 :559-565, 2000) |
|
Normwerte der
Serumspiegel der Antikörper gegen oxidiertes LDL: 200 – 600
IE/l
B. Oxidierte Proteine
Proteine
können in Gegenwart von ROS denaturieren, fragmentieren oder
ihre Primär- oder Sekundärstruktur verlieren. Oxidative
Schäden an den Proteinen (und Aminosäuren) können
sich auf unterschiedliche Weise manifestieren (44, 45):
- Auftreten von Hydroperoxid-Gruppen (-OOH),
- Oxidation des Kohlenstoffskeletts der Polypeptid-Kette mit Fragmentation
der Proteine und Auftreten von Carbonylgruppen,
- Oxidation der Seitenketten der Aminosäuren mit Bildung von
Disulfidbrücken, Methioninsulfoxid und Carbonylgruppen. Bestimmte
Aminosäuren (Phe, Tyr, His) unterliegen einer Hydroxylierung,
die im Fall von Phe zur Bildung von Ortho- und Metatyrosin führt.
Bei der Oxidation von Tyr kommt es zur Dimerisierung von zwei Tyrosyl-Radikalen,
die zur Bildung von Ditryrosin führt.
- Bildung chlorierter (z.B. 3-Chlorotyrosin, 3,5-Dichlorotyrosin)
und nitrierter Derivate (Nitrotyrosin) bei Kontakt von Tyrosin
mit dem MPO/H 2 0
2 -System
bzw. dem Stickstoffmonoxid-Radikal (NO°).
Der
Nachweis von Carbonylgruppen in oxidierten Proteinen ist die mit
Abstand am häufigsten eingesetzte Technik (46). Dennoch spiegelt
das Auftreten dieser Gruppen eher eine globale Änderung im
Protein wieder und ist zweifellos nicht genauso spezifisch für
das Vorliegen von oxidativem Stress wie der Nachweis von hydroxyliertem
Tyr.
Normwerte
der Plasmakonzentrationen
C.
8-Hydroxy-2-Desoxyguanosin
ROS
reagieren besonders gerne mit bestimmten konstitutiven DNA-Basen.
Guanin wird auf diese Weise leicht in 8-Hydroxy-2-Desoxyguanosin
(8-OH-dG) umwandelt, das normalerweise durch DNA-Reparaturenzyme
entfernt wird. Versagen diese Systeme kommt es zur Anreicherung
von 8-OH-dG in der DNA (Abbildung 18), und in der Folge zu Mutationen,
die bei der Krebsentstehung eine Rolle spielen (47). Die Bestimmung
der 8-OH-dG-Konzentration im Urin erfordert eine Normalisierung
für Kreatinin.
|
Abbildung
18: Einfluss von Umweltfaktoren auf die DNA-Oxidation
|
|
Normwerte
im Urin: 0 – 20 µg 8OH-dG/g Kreatinin (Bestimmung mittels
ELISA)
4.
Der Eisenstatus
Eisen
dient bei der ROS-Bildung als Katalysator. Unter physiologischen
Bedingungen liegt es nicht in der freien, für diese schädlichen
Wirkungen verantwortlichen Form vor. Aus diesem Grund ist die Bestimmung
der Transportproteine des Eisens ein wichtiges Element der Beurteilung
von oxidativem Stress. Zahlreiche Arbeiten weisen darauf hin, dass
Übergangsmetalle wie Eisen und Kupfer beim Entstehen der Atherosklerose
eine Rolle spielen. (48).
A.
Freies Eisen
Das
im Rahmen von klassischen Blutuntersuchungen bestimmte Serumeisen
repräsentiert den Eisenpool, der an Proteine und andere Chelatbildner
wie Pyrophosphate gebunden ist. Es handelt sich dabei also
nicht um das berühmte toxische freie Eisen (49, 50), das sich
routinemäßig mit einigen technischen Restriktionen messen
lässt. Im physiologischen Zustand ist kein freies Eisen nachweisbar.
Normwerte
der Plasmakonzentrationen an freiem Eisen: 0 µmol/l
B. Ferritin
Dieses
Protein stellt den Hauptspeicher für intrazelluläres nicht
metabolisiertes Eisen dar und spielt damit eine zentrale Rolle für
die Bereitstellung von freiem Eisen, das als Katalysator von Reaktionen
dient, die zur Bildung reaktiver Sauerstoffspezies führen.
Mehrere Studien zeigten, dass ein Anstieg des Ferritin-Spiegels
(insbesondere im Bereich der Haut) eine Anpassungsreaktion
auf oxidativen Stress darstellt (51).
Normwerte
der Plasmakonzentrationen: 30 – 300 ng/ml (Männer); 15 – 150
ng/ml (Frauen)
C.
Transferrin und die Transferrin-Sättigung
Unter
physiologischen Bedingungen wird Transferrin zu 25 bis 30 % durch
Eisen gesättigt. Höhere Werte weisen darauf hin, dass
Eisen in eine freie Form freigesetzt wurde. So induziert zum Beispiel
ein im Rahmen einer Bypassoperation der Herzkranzgefäße
eingesetzter extrakorporeller Kreislauf aufgrund der Hämolyse
der roten Blutkörperchen eine ausgeprägte Freisetzung
von Eisen. Mehrere Arbeiten zeigten, dass der Eisensättigungskoeffizient
des Transferrins im Verlauf eines extrakorporellen Kreislaufs progressiv
ansteigt und Werte von bis zu 80 bis 90 % erreicht, wobei es parallel
zu einem Anstieg der Marker für oxidativen Stress kommt (52,
53).
Normwerte
der Transferrin-Plasmakonzentrationen: 1,60 – 3,50 g/l
Normwert der Transferrinsättigung durch Eisen: 20 – 40 %
5.
Stickstoffmonoxid-Radikal
Dieses
besondere vom Stickstoff abgeleitete Radikal (NO°) wird von
den Endothelzellen gebildet und spielt eine wichtige physiologische
Rolle bei der Blutdruckregulation. Oxidativer Stress kann jedoch
zu Funktionsstörungen der Endothelzellen führen, die dann
ein Übermaß an Stickstoffmonoxid-Radikalen bilden.
Diese können mit oxidierten freien Radikalen reagieren und
für den Organismus besonders schädliche Substanzen bilden,
die Peroxinitrit-Derivate (HOONOH).
NO
kann nach seiner Bildung auch in Nitrite oder Nitrate umgewandelt
werden. Ein Anstieg des Verhältnisses der Nitrit-/Nitrat-Plasmakonzentrationen
spiegelt die Bildung von Stickstoffmonoxid wider. NO kann außerdem
mit der Tyrosingruppe von Proteinen (Nitrierung) oder mit Gamma-Tocopherol
reagieren. Diese Eigenschaften werden dazu genutzt, NO in biologischen
Proben nachzuweisen (54, 55).
6.
Die paramagnetische Elektroresonanz (EPR)
Dies
ist die Technik der Wahl für die direkteste Visualisierung
der freien Radikalen, die möglich ist. Freie Radikale besitzen
ein ungepaartes Elektron, das sich wie ein Kreisel um sich selbst
dreht und dabei ein magnetisches Feld induziert (Abbildung 19).
Wird das freie Radikal in ein durch zwei starke Magneten gebildetes
Magnetfeld platziert, kommt es zur Absorption von Energie,
die sich als Spektrum optisch darstellen lässt. Das auf diese
Weise erhaltene Signal ist dann eine Art Fingerabdruck für
jeden Radikal-Typ.
|
Abbildung
19: EPR-Gerät, das die direktest mögliche
Darstellung
oxidierter freier Radikale ermöglicht |
|
Darüber
hinaus ist die Intensität des Signals der Menge an freien Radikalen
in der untersuchten biologischen Probe direkt proportional, so dass
eine quantitative Bestimmung der Bildung an freien Radikalen möglich
ist. Unter Einsatz einiger technischer Raffinessen (sog. „spin traps“)
lässt sich die EPR in der klinischen Routine zum Nachweis des
Superoxid-Anions in Plasmaproben nutzen.
Mit
Hilfe der EPR lässt sich auch das Ascorbyl-Radikal im Plasma
nachweisen (Abbildung 20). Dabei handelt es sich um eine radikalische
Intermediärform zwischen der Ascorbinsäure und ihrem oxidierten
Endprodukt, der Dehydroascorbinsäure. Die Bestimmung des Ascorbyl-Radikals
ist insofern interessant, als dass sie die Unterscheidung ermöglicht,
ob niedrige Vitamin-C-Spiegel durch eine unzureichende Zufuhr des
Antioxidantiums über die Nahrung oder durch oxidativen
Stress verursacht sind. Gehen niedrige Vitamin-C-Plasmaspiegel mit
normalen Werten für den Quotienten Vit.C/Ascorbyl-Radikal einher,
weist dies auf eine geringe Vitaminzufuhr hin. Dagegen weisen (selbst
normale) Vitamin-C-Spiegel im Zusammenhang mit einem niedrigen Quotienten
aus Vit.C/Ascorbyl-Radikal auf das Vorliegen von oxidativem Stress
hin (56).
|
Abbildung
20: EPR-Spektrum des Ascorbyl-Radikals |
|
Normwerte
der Plasmakonzentrationen des Ascorbyl-Radikals: 0,28 – 0,44 willkürliche
Einheiten*
Normwerte für das Verhältnis Vit.C/Ascorbyl-Radikal im
Plasma: 20,73 – 39,29
(* Bestimmung mit einem Jeol FR300)
7.
Andere Marker
A.
Homocystein
Homocystein
ist eine schwefelhaltige Aminosäure und Zwischenprodukt des
Methionin- und Cysteinstoffwechsels (Abbildung 21). Auch wenn zahlreiche
Laboratorien Homocystein-Konzentrationen zwischen 5 und 15
µmol/l als normal bewerten, zeigten neuere prospektive Studien,
dass sich Homocystein-Spiegel oberhalb von 6,3 µmol/l in einer
Zunahme von Myokardinfarkten um 35 % äußern (Abbildung
22) (57). Jeder Anstieg der Homocystein-Spiegel um 5 µmol/l,
was einem Anstieg des Plasmacholesterins um 20 mg/dl gleichkommt,
erhöht das Koronarrisiko beim Mann um 60 % und bei der Frau
um 80 %. Homocystein ist außerdem sehr leicht oxidierbar und
bildet ROS, die - insbesondere in Gegenwart von Metallen wie Eisen
oder Kupfer – LDL oxidieren können (6).
Normwerte
der Plasmakonzentration: 5 – 15 µmol/l
|
Abbildung
21: Homocysteinstoffwechsel |
Abbildung
22 : Beziehung zwischen Homocysteinspiegel
und Herz-Kreislauf-Erkrankungen |
|
|
B. Glukose
Glukose
bildet durch Auto-Oxidation große Mengen an ROS und Glyoxal
(Abbildung 23). Letzteres bindet an die Aminogruppe der Proteine,
was zum Auftreten von Carboxymethyl-Lysin-Resten („gealterten
Proteinen“) führt. Diese besitzen die Fähigkeit, Kupfer
zu binden und die Lipidperoxidation in Gang zu setzen, was wiederum
einen Anstieg der Glyoxal-Produktion zur Folge hat. Glukose selbst
kann in Kombination mit Hämoglobin glykosyliertes Hämoglobin
bilden. Ein Anstieg dieser Marker findet sich bei Patienten
mit Diabetes mellitus, einer Erkrankung die eindeutig mit einem
ausgeprägten oxidativen Stress einhergeht (58). Die genannten
Marker können sich aber auch im Rahmen des Alterungsprozesses
im Organismus anreichern.
|
Abbildung
23: Wechselwirkung Glukose – reaktive Sauerstoffspezies |
|
Normwerte
der Plasmakonzentrationen: 0,60 bis 1,10 g/l
C.
Die Myeloperoxidase
Die
Aktivierung neutrophiler Granulozyten geht mit einem Anstieg ihres
Sauerstoffverbrauchs um 400 % einher. Dieser Umstand hat eine massive
Produktion von ROS und die Freisetzung proteolytischer Enzyme (Elastase)
sowie der Myeloperoxidase (MPO) zur Folge. Letztere spielt beim
Auftreten von oxidativem Stress eine Rolle, da ihre enzymatische
Aktivität für die Bildung von Hypochlorsäure, einer
Substanz mit starker oxidativer Kapazität verantwortlich ist.
Ein erhöhter MPO-Plasmaspiegel ist daher ein spezifischer Marker
für eine Neutrophilen-Aktivierung und damit indirekt für
eine ROS-Bildung, die sich bei allen entzündlichen Phänomenen
beobachten lässt (59).
Normwerte
der Plasmakonzentrationen: 170 – 498 µg/l
D.
Das Fettsäureprofil
Unsere
Nahrung enthält große Mengen an mehrfach ungesättigten
Omega-6- Fettsäuren
(Linolsäure und Arachidonsäure). Diese
Verbindungen oxidieren in Gegenwart von ROS leicht und bilden Lipidperoxide.
Außerdem führt der Stoffwechsel dieser Fettsäuren
zur Bildung pro-inflammatorischer Prostaglandine (Abbildung 24).
Dagegen enthält unser Speiseplan wenig Fisch, der im Gegensatz
zu Fleisch reich an mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren
(Alpha-Linolensäure und Docosahexansäure) ist. Letztere
werden weniger leicht peroxidiert und ihr Stoffwechsel führt
zur Bildung antiinflammatorischer Prostaglandine. Die Wissenschaftler
sind sich einig, dass das Verhältnis der Omega-6/Omega-3-Zufuhr
nicht über 4/1 bis 8/1 liegen darf. In der westlichen Welt
sind wir jedoch weit von diesen Werten entfernt. De Lorgeril et
al. zeigten, dass eine an Alpha-Linolensäure-reiche kretische
Ernährung bei Patienten, die einen Myokardinfarkt erlitten
haben, kardiovaskuläre Rezidive um mehr als 70 % senken kann
(60).
|
Abbildung
24 : Stoffwechsel der mehrfachungesättigten Fettsäuren |
|
IV.
Welches ist der beste Marker für oxidativen Stress?
Die
Antwort ist einfach: Es gibt keinen!
Seit
Beginn der Forschung zum oxidativen Stress sind die Wissenschaftler
von der Suche nach einem Biomarker besessen, der sich in unterschiedlichen
experimentellen und klinischen Situationen als eindeutiger
Indikator für oxidativen Stress erweisen würde. Die Bestimung
von Malonaldehyd (MDA) als Marker der Lipidoxidation wurde über
lange Zeit als Referenztest betrachtet. Leider mangelte es dem Nachweis
von MDA mittels Thiobarbitursäure (TBAR) an Spezifität.
Der Test unterlag zudem zahlreichen Artefakten. Die Ergebnisse dieses
einfachen Tests führten zu zahlreichen Fehlinterpretationen,
die den oxidativen Stress in der Humanmedizin zum Teil in Verruf
brachten. Erst Mitte der 80er Jahre wurden neue zuverlässigere
Methoden für den Nachweis von oxidativem Stress in vivo
eingesetzt. Derzeit gibt es mehr als 80 potentiell nutzbare
Testverfahren, aber nur gut 30 von ihnen sind für die klinische
Routine geeignet. Jede dieser Methoden hat ihre eigenen Besonderheiten
und Grenzen. Aus diesem Grund ist es utopisch, oxidativen Stress
auf der Grundlage eines einzigen Tests nachweisen zu wollen, auch
wenn dieser aufgrund seiner schnellen Durchführbarkeit auf
attraktive Weise beworben wird. Es ist wichtig, den in der Vergangenheit
bei der MDA-Bestimmung begangenen Fehler nicht noch einmal zu machen.
Um
die Untersuchungsmethoden kritisch bewerten zu können, ist
demnach eine eingehende Kenntnis der wissenschaftlichen Literatur
erforderlich (61). Die korrekte Beurteilung von oxidativem
Stress ist damit nur auf der Grundlage einer ganzen Batterie von
Tests möglich, die sich gegenseitig ergänzen. Die Hauptuntersuchungsachsen
beziehen sich auf:
1. Die Analyse der Antioxidantien
2. Die Bestimmung von Spurenelementen
3. Den Nachweis oxidativer Schäden an Lipiden,
Proteinen, Lipoproteinen, DNA und Glukose
4. Den Eisenstoffwechsel.
Bei
der Wahl der durchzuführenden Bestimmungen fühlen sich
Ärzte häufig etwas hilflos. PROBIOX SA sieht es als eine
seiner Aufgaben an, Hilfestellungen für diese Wahl zu geben.
Unsere wissenschaftliche und klinische Erfahrung hat uns gelehrt,
dass je nach vorliegender physiologischer oder pathologischer Situation
einige Marker aussagekräftiger sind als andere. PROBIOX SA
bietet aus diesem Grund unterschiedliche Beurteilungsprofile für
den oxidativen Stress an. Dabei werden die ausgewählten Analysen
genau auf die unterschiedlichen Erkrankungen, bei denen oxidativer
Stress eine Rolle spielt, abgestimmt (Patent angemeldet).
V.
Sofortige Behandlung der Blutproben und Kühlkette: zwei essentielle
Anforderungen für qualitative hochwertige Ergebnisse
Die Interpretation der vorgeschlagenen Beurteilungsprofile für
den oxidativen Stress darf nur auf der Grundlage besonders sorgfältig
verarbeiteter Blutproben erfolgen. Die allermeisten der vorgeschlagenen
Analysemethoden für den oxidativen Stress reagieren sehr empfindlich
auf die Lagerungsbedingungen der Blutprobe (Art des Antikoagulantiums,
Temperatur, etc.). Ein Beispiel hierfür ist die Bestimmung
von reduziertem und oxidiertem Glutathion. Abbildung 25 zeigt die
Ergebnisse für diese beiden Marker bei Bestimmung nach Aufbewahrung
der Blutprobe bei Raumtemperatur über 1 Stunde oder mehr. In
diesem Fall lässt sich eine qualitativ hochwertige und aussagekräftige
Analyse nur bei sofortigem Kontakt des Blutes mit Stabilisatoren
und sofortigem Einfrieren (T0) erreichen.
|
Abbildung
25: Entwicklung des Verhältnisses GSH/GSSG
in Blutproben, die 1 bis 24 Stunden bei Raumtemperatur
gelagert wurden. T0: Probe, die unmittelbar nach der
Blutentnahme behandelt wurde. Blaues Rechteck: Referenzintevall
|
|
Diese
Beobachtungen gelten ganz allgemein für alle Marker für
oxidativen Stress. Abbildung 26 zeigt, dass die Konservierungs-Kinetik
von oxidierten Lipoproteinen (oxidierte LDL) sehr schwankend ist,
und zwar auch dann, wenn Vollblutproben bei +4°C gelagert wurden.
Die einzige Möglichkeit, ein aussagekräftiges Ergebnis
zu erzielen, ist die sofortige Zentrifugation der Blutprobe mit
Einfrieren des Plasmas bei – 20°C.
|
Abbildung
26: Entwicklung der Konzentrationen an oxidierten LDL
(E/L) in Relation zur Zeit |
|
Wissenschaftler
müssen bei der Veröffentlichung von Ergebnissen zu Plasmamarkern
des oxidativen Stress (z.B. Vitamin E) unter dem Abschnitt „Material
und Methode“ des Artikels im Einzelnen aufführen, dass die
Blutproben sofort zentrifugiert wurden und dass das Plasma anschließend
bis zum Analysezeitpunkt des betreffenden Markers bei –20°C
gelagert wurde. PROBIOX SA erwartet, dass diese Anweisungen strikt
eingehalten werden und stellt den Nutzern daher ein sehr detailliertes
Protokoll für die Entnahme und Behandlung der Blutproben sowie
ihren Transport zum Labor in geeigneten Behältnissen auf Trockeneis
zur Verfügung.
VI.
Ausblick auf die Zukunft: Genomik und Proteomik
PROBIOX
SA setzt sich auch für die Entwicklung dieser neuen Methoden
ein, um ein besseres Verständnis der Bedeutung von oxidativem
Stress für die Entstehung unterschiedlicher Erkrankungen
zu erhalten. Diese Methoden könnten gegenüber den klassischen
Analysen neue Informationen zu den Ursachen von oxidativem
Stress und über die Art von Organ, die im Besonderen mit einer
Überproduktion von ROS konfrontiert ist, liefern.
Eine
der neuesten und aufregendsten Entwicklungen auf dem Gebiet des
oxidativen Stresses ist die Erkenntnis, dass die Regulation der
Expression von Genen und Proteinen als Reaktion auf oxidativen Stress
unterschiedlich ausfällt. Bei der Methode der Real-Time-Polymeraskettenreaktion
(Real-Time-PCR) wird aus Zellen isolierte RNA mit Hilfe einer reversen
Transkriptase in DNAc umgewandelt. Anschließend wird die DNAc
des untersuchten Gens mit Hilfe von zwei Primern und einer Polymerase
verstärkt. Der Nachweis der Verstärkung erfolgt in Realzeit
mit Hilfe einer speziellen fluoreszierenden Sonde. In neuerer Zeit
wurden DNA-Chips (Microarrays) eingeführt. Sie bieten den Vorteil,
dass es auf diese Weise möglich ist auf einen Blick Unterschiede
in der Expression mehrerer hundert für oxidativen Stress kodierender
Gene darzustellen (62), und das für das gesamte menschliche
Genom. Der Chip wird hergestellt, indem DNAc-Fragmente (die den
untersuchten Genen entsprechen), die zuvor mittels PCR (Polymerasekettenreaktion)
verstärkt wurden, auf eine Glasplatte aufgebracht werden. Die
DNAc wird anschließend zu einer Einzelstrang-DNA denaturiert,
so dass sie mit einem komplementären Strang in der Sonde oder
der Zielstruktur (Zellen, Gewebestücke) hybridisieren kann.
Aus Zellen, die oxidativem Stress ausgesetzt wurden (Test)
oder nicht (Kontrolle), wird RNA extrahiert, die durch eine reverse
Transkriptase in DNAc überführt wird. Die DNAc der Kontrollzellen
wird mit einem grünen fluoreszierenden Farbstoff und die DNAc
der einem oxidativen Stress ausgesetzten Zellen mit einem roten
Fluorochrom markiert. Bei der Hybridisierung wird die DNA der beiden
Zellen gemischt und auf den Chip gelegt, der dann über Nacht
bei 42 ° C inkubiert wird. Auf diese Weise kann die DNAc der
Sonde mit der komplementären DNAc auf dem Chip hybridisieren
und eine Doppelstrang-DNAc bilden. Eine Aufnahme der Platte nach
der Hybridisierung liefert dann eine Fluoreszenz, deren Intensität
den grünen und roten Signalen entspricht. Das Verhältnis
zwischen roten und grünen Signalen ist 1 wenn die RNA eines
untersuchten Gens in der Kontroll- und Testprobe in gleicher Menge
vorhanden ist. Werte oberhalb von 1 zeigen an, dass es zu einer
Überexpression des Gens gekommen ist, während Werte unterhalb
von 1 auf eine Unterexpression des Gens hinweisen (Abbildung 27).
|
Abbildung
27: Prinzip der DNA-Chips |
|
VII.
Schlussfolgerung
Es
ist heute anerkannt, dass ROS ausgeprägte Zellschäden
hervorrufen, die zur Funktionseinbußen von Organen führen
können. Vor diesem Hintergrund wird der oxidative Stress immer
mehr mit dem Alterungsprozess, dem Auftreten klinischer Komplikationen
sowie der Entstehung von Erkrankungen des Alters (Atherosklerose,
Krebs, neurodegenerative Erkrankungen) in Zusammenhang gebracht.
Mit der Diagnostik von oxidativem Stress und therapeutischen Maßnahmen
zur Begrenzung seiner schädlichen Auswirkungen eröffnet
sich ein wichtiges neues Forschungsgebiet. Angemessen angewandt
sollte diese neue Disziplin die Medizin von Morgen revolutionieren
und große wirtschaftliche Auswirkungen für die Gesundheitsversorgung
haben. Dafür sind leistungsfähige und spezifische Analysemethoden
erforderlich. Während die ersten Laboruntersuchungen zum oxidativen
Stress allein auf der Bestimmung von Malonaldehyd als In-vivo
-Marker der Lipidperoxidation basierten, konnten wir in den
letzten fünf Jahren eine wahre Explosion von Methoden erleben,
die eine Beurteilung des oxidativen Stress-Status bei einer Person
in der klinischen Routine ermöglichen. Alle diese Methoden
weisen ohne Ausnahme Begrenzungen auf und lassen allein keine Aussagen
über den oxidativen Stress-Status zu. Aus diesem Grund ist
es erforderlich, Testbatterien einzusetzen, die jedoch geeignet
zusammengestellt sein müssen, da sich oxidativer Stress
je nach der angetroffenen physiologischen oder pathologischen Situation
unterschiedlich manifestiert. Vor diesem Hintergrund hat PROBIOX
SA Beurteilungsprofile für den oxidativen Stress patentiert,
die an diese Situationen angepasst sind. Darüber hinaus achten
die Wissenschaftler von PROBIOX SA besonders auf die Entnahme und
Behandlung der Blutproben, da die meisten der untersuchten Substanzen
nur wenig stabil sind. Die sofortige Zentrifugation der Blutproben
nach der Entnahme, aber auch der Erhalt der Kühlkette
für Plasma und Seren bis zur Analyse der Proben sind zwei (erfüllbare)
Erfordernisse und die wichtigsten Garanten für qualitativ hochwertige
Ergebnisse (siehe Probiox-Qualitätscharta). Auf diese Weise
wird eine bestmögliche Interpretation der Ergebnisse ermöglicht,
in die über 20 Jahre akademischer wissenschaftlicher Erfahrung
auf dem Gebiet des oxidativen Stresses einfließen.
Die
hier vorgestellte wissenschaftliche Methode wird Ärzten und
verwandten Berufsgruppen zum Beispiel den Nachweis möglicher
Abweichungen der Antioxidantien-Konzentrationen von den Normwerten
erlauben. Diese Abweichungen können dann über eine gesündere
Ernährung oder geeignete Supplementierung korrigiert werden.
Die modernen Techniken der Genomik und Proteomik, mit denen sich
die F&E-Abteilung von PROBIOX SA beschäftigt, werden unser
Wissen über den oxidativen Stress vertiefen und sollten bessere
und individuellere Korrekturen ermöglichen, durch die sich
die schädlichen Auswirkungen des oxidativen Stresses vermindern
lassen.
VIII.
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